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Kriegskinder und Kriegsenkel!

 

Kriegskinder

Sie haben den Krieg noch miterlebt, sie haben das Kriegsende erlebt.

Kriegsenkel

Die folgende Generation ist aufgewachsen bei teilweise schwer traumatierten Menschen! Es sind die Jahrgänge ca. 1960-1975,  die sogenannte „Babyboom-Gesellschaft“!

Du möchtest nichts mehr davon hören?

Ist doch alles schon so lange her! Ja, ist es! Über 70 Jahre!

Diese Zeit wurde im Aussen aufgearbeitet, doch die seelischen Wunden sind noch da, sie werden von Generation zu Generation weitergegeben.

Hier gehts zu einem guten Beitrag »  http://www.deutschlandfunk.de/traumavererbung-bis-ins-vierte-glied-traumata-praegen-auch.724.de.html?dram%3Aarticle_id=343713

Die Kriegskinder haben vergessen und verdrängen müssen! Sich haben sich auf den Wiederaufbau des zerstörten Landes  konzentrieren müssen.

Prämisse war, nie wieder zu Hungern, nie wieder zu Frieren! Es gab keine Zeit zu Trauern, über die getöteten Angehörigen, keine Zeit zum Aufarbeiten von Missbrauch und Gewalt.

Bei vielen war die Heimat verloren, und sie wollten irgendwo angekommen, sich integrieren und nicht mehr nachdenken.

Nur nach Vorne schauen! Das Leid einfach vergessen!

Kann man es vergessen, oder wurde es nur verdrängt? Totgeschwiegen?

Die verletzten Gefühle wurden abgeschnitten, man musste durchhalten, funktionieren. Man wollte nicht auffallen, wollte Teil einer geschützen Gemeinschaft werden.

Zu nah war noch die Erinnerung, was mit den Menschen geschah, die sich nicht angepast hatten, nicht mitgelaufen sind mit der Wahnidee des dritten Reichs.

In diese Generation wurden dann die Kriegsenkel geboren.

Aufgewachsen in dieser kühlen, traumatisieren Atmosphäre des Schweigens, Individualität gab es nicht. Es war keine Zeit da für Gemeinsamkeiten.

Liebe und Emapathie war nicht zu spüren, – wie auch, bei teilweise schwer traumatisieren Eltern.

Sie hatten zuviel erlebt um auf „normale“ Bedürnisse des Kindes eingehen zu können.

Diese Kinder spürten das Leid der Eltern, und ein Kind versucht aus der Liebe zu den Eltern, „mitzutragen“.  Mitzutragen, – ein Schicksal das in vielen Familien in Schweigen gehüllt war.

Man wollt nicht darüber reden. Man hatte es überlebt. Das reicht! Man will nach vorne schauen! Nicht mehr zurück-fühlen!

Wie könnte auch ein Mensch der soviel Leid erlebt hat, wahrnehmen was sein eigenes Kind bedrückt. Man war gefangen in dem selbstgebauten, kargen Gefängniss in dem Gefühle nicht viel Platz haben durften.

„Klassischerweise werden eigene, unverarbeitete Erlebnisse der Eltern in der Interaktion mit dem Säugling wieder lebendig – geradezu wie Gespenster aus der Vergangenheit.“

(Bindungsforscher und und Kinder- und Jugendpsychiater Karl Heinz Brisch)

Es fehlte an Wärme, Anteilnahme, Liebe, Geborgenheit, an individueller seelischer Wahrnehmung des Kindes.

 

Was geht in einem Menschen vor, wie erlebt es der Kriegsenkel, der sich nicht wahrgenommen und gesehen fühlt?

Was können die Folgen sein ?

Orientierungslosigkeit im Leben, nicht ankommen zu können bei sich selbst, oder auch der ewige Druck etwas leisten zu müssen, in Rollen zu leben die man nicht „ist“, immer funktionieren, anpassen, nicht aufmüpfig sein. Man findet keine Zuhause in sich, und keine festen Boden unter den Füssen.

Der Preis war auch Einsamkeit, Beziehungsstörungen, Ängste, bis zu Panikattacken und bei vielen diffuse Schuldgefühle, die keinen Bezug haben zur eigenen Biographie.

Oft ergibt sich in den Nachforschungen in Familien ein Bezug zur NS – Täterschaft, diese wurde natürlich verheimlicht, aber die Information sind unterbewusst weitergegeben worden.

Der Schein der intakten Familie und des Ansehens musst gewahrt werden.

Kennst Du den Satz von Ihren Eltern: Was hast Du denn, stell Dich doch nicht so an, Dir geht’s doch gut! Dir fehlt es doch an nichts!

Anderen geht es doch viel schlimmer!

Ja, materiell begann der Aufschwung, die Wirtschaft begann zu wachsen und körperlich Nahrung war wieder vorhanden.

Für seelische Nahrung gab es keine Raum. Der Nebel des Verdrängen dämpfte das Erleben der traumatisieren Menschen.

Indianerherz kennst keinen Schmerz!  Hart wie Kruppstahl, das waren die Leitsätze der Nachkriegsjahre geworden!

Doch tief vergraben in den Seelen der Menschen war der Schmerz, die Verzweiflung und die Angst! Und diese wurde weitergegeben, wenn auch unbewusst an die nächste Generation.

Kriegskinder und Kriegsenkel!

Wieviel Lebens- und Überlebenskraft haben wir in den Genen?

Mir liegt es fern, eine Schuldzuweisung auszusprechen, das war unser aller Geschichte.

Aber ich finde es so wichtig die eigenen Familiengeschichte, mit den daraus entstanden Prägungen, bewusst zu hinterfragen.

Oder möchtest Du das es immer so weitergeht?

Das es unsere Kinder und Kindeskinder immer weitertragen müssen?

Ich möchte es nicht! Ich habe meine familiäre Vergangenheit hinterfragt. Und immer wieder kommen Bruchstücke dazu.

Bruchstücke, Mosaikteilchen um endlich das Bild  zu vervollständigen.

Vieles wird mir klar,  ich kann die Eltern und vor allem mich selber  immer besser verstehen!

Aber vor allem ich spüre diese Kraft und Stärke.

Die Überlebenskraft, die dahintersteht in der Familie, die diese NS Zeit überlebt haben.

Die Stärke neu zu beginnen und bei Hindernissen nicht auszuweichen, sondern mutig voranzugehen.

Und diese Kraft und diese Stärke ist auch in mir!

Und diese Kraft und diese Stärke ist auch in Dir! 

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